Sektionsanlass 2018

23. September 2018

Die Sektion des WWF Oberwallis läd ihre Mitglieder zum Sektionsanlass ein. Es ist die Gelegenheit, um unsere Projekte vor Ort und die Leute der Sektion näher kennen zu lernen. 

Dieses Jahr erkunden wir eine neue Natur-Juwele im Oberwallis: Die Aue Sand. Zudem haben wir Gelegenheit, das Wasserkraftwerk Gletsch Oberwald von innen zu sehen. Kompetente Fachpersonen werden uns sowohl die biologischen Wunder der Aue, als die Mechanismen des Wasserkraftwerks erklären. 

Was haben die beiden miteinander zu tun? Die Aue Sand ist die Umweltkompensationsmassnahme für das Kraftwerk Gletsch Oberwald. Gleichzeitig ist sie der Kompromiss der durch die Zusammenarbeit zwischen Kraftwerkbetreiber FMV, der Gemeinde Obergoms und dem WWF erzielt wurde. Lesen Sie mehr zur Entstehungsgeschichte weiter unten. 

Die Teilnahme am Sektionsausflug ist für die WWF Mitglieder gratis. Wir bitten aber um Anmeldung

Programm

  • 9 Uhr: Besammlung in Oberwald
    Besichtigung Aue Sand mit Führung von Ernst Abgottspon von Pro Nat. Er hat die Umweltmassnahmen in der Aue Sand mitkonzipiert und umgesetzt. Sein Umweltbüro ist auch mit dem Monitoring betraut. Er kennt die Aue also wie kein zweiter. 
  • 11:00 Uhr
    Führung durch das Wasserkraftwerk Gletsch Oberwald durch Raoul Albrecht von der FMV
  • 13:00 Uhr
    Gemeinsames Mittagessen und Ausklang

 

Jetzt anmelden! 

Die Vorgeschichte

 2010 plante die FMV den Bau eines neuen Wasserkraftwerks in Gletsch. Gemeinsam mit anderen Umweltschutzorganisationen wehrte sich der WWF, da das Kraftwerk diverse Schutzgebiete betraf. Aus den Einspracheverhandlungen resultiere ein fruchtbare Zusammenarbeit. Eine Aufwertung des Auengebietes Sand stand dabei von Anfang an im Fokus. Gemeinsam einigte man sich auf ein umfangreiches Aufwertungskonzept als breit abgestützen Kompromiss. Schlussendlich ergab sich daraus eine Win-Win Situation für alle: Die renaturierte Aue ist ein Naturjuwel und gleichzeitig eine touristische Attraktion für die Gemeinde. Durch das so ermöglichte Wasserkraftwerk kann erneuerbare Energie produziert werden. Das Kraftwerk wird im Sommer 2018 offiziell eröffnet. Die Umweltmassnahmen konnten jedoch schon auf Ende 2016 abgeschlossen werden. 

Heute fehlt es den Bächen an Raum

Unsere Gesellschaft hat sich dermassen entwickelt, dass es vielen Tälern wie dem Goms an Platz fehlt. Bäche und Flüsse können ihre ökologischen Funktionen nicht mehr oder nur ungenügend wahrnehmen, vor allem dort, wo die Bäche ökologisch besonders wertvoll sind – in den Tal-Ebenen. Fische können weder migrieren noch sich ausreichend fortpflanzen, Fischnährtiere finden keinen Lebensraum mehr, Auen und Ufervegetation fehlen, an Gewässer gebundene Säugetiere und Vögel finden kein Habitat mehr, der Grundwasserspiegel verändert sich. Strassen, Siedlungen, Hochwasserverbauungen, Landwirtschaftsflächen, touristische Infrastrukturen legen Bäche in ein Korsett, aus dem es kaum mehr ein Entrinnen gibt.

Win-Win über Ersatzmassnahmen

Will man heute den Gewässern einen Teil ihrer angestammten Fläche wieder zugestehen, gestaltet sich dies enorm schwierig, auch wenn gesetzlich dieser Auftrag vom Bund an die Kantone besteht. Kein Bürger, kein Gemeinwesen gibt gerne her, was er einmal in Besitz genommen hat. Strassen sind heilige Kühe, Hochwasserverbauungen schier unantastbar, Landwirtschaftsland ein Politikum, Siedlungen ein «Nogo», touristische Infrastrukturen ein Wirtschaftsfaktor, zu sanierende Abfallgruben eine Frage der Finanzierung. Kein Gemeinderat, kein Kanton möchte sich die Hände verbrennen, indem er Land enteignet – und dies «nur» für vitalere Flüsse. Deshalb braucht es entweder glückliche Fügungen oder Opportunitäten, will man das Korsett eines Baches etwas lockern. Eine Gelegenheit hat sich beim Rechtsfall der Umweltverbände mit der FMV ergeben. Die Vereinbarung  hatte  zur Folge, dass für den Bau des Kraftwerks Obergoms umfangreiche Ersatzmassnahmen geleistet werden sollten. Diese ermöglichen es, dem Rotten ein paar Hundert Meter Natürlichkeit zurückzugeben und parallel dazu gleich auch etwas für einen verbesserten Hochwasserschutz zu tun.

Raum in den Köpfen

Dass es aber überhaupt dazu kommen konnte, hat in erster Linie mit den beteiligten Personen von FMV, Gemeinde Oberwald, Kanton, MGB und Umweltverbänden zu tun. In zahlreichen Sitzungen haben alle Beteiligten mit offenem Visier hartnäckig an guten Lösungen gearbeitet. Dass Lösungen für die Natur, die Landwirtschaft, den Tourismus und die lokale Wirtschaft gefunden werden konnten, hatte vermutlich mit einem Schlüsselfaktor zu tun: Der wundervollen und multifunktionalen Holzbrücke!   Die Brücke dürfte für Oberwald schon bald ein neues Wahrzeichen sein, die Brücke liefert aber auch den Schlüssel für die Beibehaltung aller Nutzungen. Langlaufloipe, Wanderweg und Winterwanderweg können dank der Brücke von einer inneren Zone entflochten werden, die nun der Natur zur Verfügung steht. Und sie ermöglichte, dass eine andere Brücke in der Mitte des Schutzgebiets abgerissen wurde, und dadurch die Rhone deutlich mehr Platz erhiet. Die Brücke ist aber auch einen weiteren Gedanken wert: Was der Naturschutz braucht, ist Raum in den Köpfen und zu kreativen Lösungen zu kommen. In diesem Sinne ist die Aue Sand und das Wasserkraftwerk ein Symbol für eine gelungene Zusammenarbeit, die aus diesem Projekt ein Gewinn für Natur und Mensch werden liessen.  

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